Bulgariens amtierende Präsidentin Ilijana Jotowa scheint nach ersten Prognosen die Präsidentschaftsstichwahl des Landes zu gewinnen. Nachwahlbefragungen deuteten darauf hin, dass sie bis zu 58 % der Stimmen gewann, während der frühere geschäftsführende Ministerpräsident Andrej Gjurow bis zu 39 % erhielt. Ein offizielles Ergebnis wird erst am nächsten Tag erwartet.
Die Wahlbeteiligung in der Stichwahl wurde auf etwa 27 % bis 29 % geschätzt und lag damit etwas höher als die 23 %, die in der ersten Runde am 25. Oktober verzeichnet wurden, die der Bericht als historischen Tiefstand bezeichnete.
Sollten sich die Prognosen bestätigen, würde Jotowa die erste Frau werden, die in Bulgarien zur Präsidentin gewählt wird. Sie übernahm das Amt automatisch in ihrer bisherigen Rolle als Vizepräsidentin, nachdem der frühere Präsident Rumen Radew in diesem Jahr zurückgetreten war; Radew ist jetzt Ministerpräsident.
Jotowa kandidiert als unabhängige Kandidatin mit Unterstützung der Mitte-links-Partei von Radew. Der Bericht beschrieb sie als russlandfreundliche Politikerin. Die 62-Jährige unterstützt die EU- und NATO-Mitgliedschaft Bulgariens, lehnt jedoch Militärhilfe für die Ukraine ab. Während des Wahlkampfs präsentierte sie sich als „Präsidentin des Friedens“, die einen Dialog mit Moskau aufnehmen möchte.
Ihr Herausforderer Gjurow ist ein ehemaliger Vize-Zentralbankchef, der in diesem Jahr als geschäftsführender Ministerpräsident amtierte. Er hat häufig deutlich gemacht, dass er die Ukraine entschieden unterstützt.
In Bulgariens politischem System hat das Staatsoberhaupt vor allem repräsentative Aufgaben, allerdings kann der Präsident Gesetze mit einem Veto belegen und ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte.
Quellen: Tagesschau.