Der deutsche Kanzler Friedrich Merz beendete seine fünftägige Asienreise mit einem Besuch an der Demilitarisierten Zone (DMZ) an der Grenze zwischen Südkorea und Nordkorea. Während des Besuchs äußerte Merz seine Hoffnung auf eine friedliche Wiedervereinigung der koreanischen Halbinsel und zog Parallelen zur eigenen Geschichte Deutschlands, die vor 36 Jahren durch Teilung und anschließende Wiedervereinigung geprägt war. Er stellte fest, dass ihm während seines Aufenthalts in Südkorea häufig nach den Erfahrungen Deutschlands mit einem geteilten Land gefragt wurde, und betonte seine Dankbarkeit darüber, dass eine solche Teilung in seinem Heimatland nicht mehr besteht.

Merz beobachtete, dass das Leid, das durch die Teilung verursacht wird, an der Demarkationslinie spürbar ist, und erkannte einen starken Wunsch nach Wiedervereinigung innerhalb Südkoreas an. Er gab jedoch zu, dass dieses Ziel angesichts der zunehmenden Isolation Nordkoreas weiterhin fern liegt. Die koreanische Halbinsel befindet sich technisch gesehen seit 1953 im Kriegszustand, da zur Beendigung des Koreakrieges nur ein Waffenstillstandsabkommen und kein formeller Friedensvertrag unterzeichnet wurde. Truppen der Vereinten Nationen, einschließlich deutscher Bundeswehrsoldaten, bleiben entlang der Grenze stationiert, um den Waffenstillstand zu überwachen.

Jüngste Entwicklungen haben die Hoffnungen auf eine Annäherung nach dem Gipfeltreffen von 2018 zwischen dem ehemaligen südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in und dem nordkoreanischen Führer Kim Jong-un erheblich gedämpft. Anfang 2024 erklärte Kim, eine friedliche Wiedervereinigung sei unmöglich, was zur Auflösung des Nationalkomitees für die Wiedervereinigung führte. Darüber hinaus wurden im vergangenen Mai alle Verweise auf eine mögliche Wiedervereinigung aus der nordkoreanischen Verfassung entfernt. Das Regime hat seither historische Eisenbahn- und Straßenverbindungen zwischen den beiden Staaten zerstört, die Grenze mit Landminen und Barrikaden befestigt und selbstfahrende Haubitzen entlang der Grenze stationiert.

Diplomatische Bemühungen zur Entspannung der Spannungen sind derzeit ins Stocken geraten. Obwohl die südkoreanische Regierung noch eine Woche vor Merzs Besuch vorgeschlagen hatte, die Gespräche wieder aufzunehmen, hat Kim keine Bereitschaft gezeigt, sich zu engagieren. Die Situation wird durch die vertiefenden Beziehungen Nordkoreas zu Russland inmitten seiner internationalen Isolation verschärft. Seit Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine hat Nordkorea große Mengen an Artilleriemunition und Raketen nach Moskau geliefert. Südkoreanische Geheimdienstschätzungen gehen davon aus, dass etwa 15.000 nordkoreanische Soldaten entsandt wurden, um die militärischen Operationen Russlands zu verstärken.

Merz hob hervor, dass dieser geopolitische Wandel Deutschland und Europa direkt betrifft, und stellte fest, dass die Sicherheit Koreas untrennbar mit der Sicherheit Europas verbunden ist. Als Reaktion auf diese Entwicklungen haben sich Deutschland und Südkorea darauf geeinigt, ihre Zusammenarbeit zu stärken und den Informationsaustausch in Bezug auf Sicherheit und Verteidigung zu verbessern. Merz schloss seine Bemerkungen mit dem Hinweis, dass die Welt auch in Kriegszeiten klein sei, bevor er am späten Abend desselben Tages nach Deutschland abreiste.

Quellen: Tagesschau.