Bundeskanzler Friedrich Merz nutzte den Besuch des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Berlin, um zu bekräftigen, dass Deutschland weiterhin fest an der Seite der Ukraine steht. Zugleich räumte er ein, dass es zunehmend schwieriger werde, die öffentliche Unterstützung für weitere Hilfe zu gewinnen. Der Besuch fand statt, während der Krieg seinem fünften Winter entgegengeht und ein Ende nicht abzusehen ist.
Merz sagte, der Ukraine zu helfen liege auch im Interesse Deutschlands, einschließlich seiner Sicherheit sowie der politischen Friedensordnung Europas. Er bezeichnete Deutschland als den größten Unterstützer der Ukraine, während die Vereinigten Staaten ihr Engagement zurückfahren, und erklärte, auch andere europäische Länder müssten Verantwortung übernehmen. Die „Koalition der Willigen“ soll am 19. November in Berlin zusammenkommen; dabei steht auch die Unterstützung für 2027 auf der Tagesordnung.
Der Besuch fand vor dem Hintergrund innenpolitischer Kritik an der Hilfe für die Ukraine statt. Noch vor Selenskyjs Ankunft teilte AfD-Chefin Alice Weidel auf X ein Video, das ihrer Aussage nach Zusammenstöße mit Demonstrierenden und der Nationalgarde der Ukraine sowie Männer zeigte, die angeblich nach ihrer Einberufung zum Militärdienst festgehalten wurden. Dem Bericht zufolge waren die Behauptungen, darunter der Vorwurf, ein junger Mann sei gefoltert worden, nicht unabhängig bestätigt worden und wurden bestritten. Sahra Wagenknecht, Gründerin des BSW, veröffentlichte eine ähnliche Mitteilung. Weidel forderte Merz auf, das Thema bei Selenskyj anzusprechen.
Merz sagte, Deutschland arbeite auf allen Ebenen daran, den Krieg zu beenden. Neue, von den Vereinigten Staaten vermittelte Friedensgespräche zwischen der Ukraine und Russland sollen in der darauffolgenden Woche in Abu Dhabi beginnen. Merz argumentierte, Europa müsse an den Friedensgesprächen beteiligt sein, und sagte, es sei inakzeptabel, wenn andere Länder ohne Beteiligung der Ukraine über deren Zukunft entschieden. Außerdem forderte er, Selenskyj zum G20-Gipfel im Dezember in Miami einzuladen, falls der russische Präsident Wladimir Putin teilnimmt.
Bei der Berliner Sicherheitskonferenz dankte Selenskyj den Vereinigten Staaten für ihre Unterstützung und sagte, ohne sie wären mehr Menschen in der Ukraine gestorben. Er erklärte, die Ukraine werde nicht aufgeben, aber kein Land könne sich allein verteidigen. In einem Appell an die Deutschen forderte er sie auf, Deutschland als ein Land zu bewahren, an das die Menschen glauben könnten. Europas Rolle werde wachsen, fügte er hinzu, doch das sei ohne Deutschland nicht möglich.
Quellen: Tagesschau.