Marine Tondelier ist nicht die erste hochrangige Politikerin, die Mutter geworden ist. Frauen in prominenten politischen Ämtern, die offen über Mutterschaft sprechen, ziehen jedoch weiterhin intensive Kommentare auf sich. Nach der Geburt ihres zweiten Kindes am 18. September gab es unter anderem Kritik an ihrer Entscheidung, über etwas zu sprechen, das manche für privat hielten, sowie Einwände dagegen, ein Baby zu einer Demonstration mitzunehmen.

Auch eine Karikatur in Charlie Hebdo, die Tondelier bei der Geburt zeigte, erregte Aufmerksamkeit. Die Hebamme und Kolumnistin Anna Roy sagte, Frauen würden wie öffentliches Eigentum behandelt, und andere fühlten sich berechtigt, ihnen vorzuschreiben, wie sie sich nach einschneidenden Lebensereignissen verhalten sollten. Frauen, so Roy, könnten selbst entscheiden, was für sie richtig sei.

Tondelier gab am 14. Oktober das Ende ihrer Mutterschaftszeit bekannt, einen Monat nach der Geburt ihres Sohnes. Während dieser Zeit blieb sie in den Medien präsent: Wenige Stunden vor der Geburt war sie im Élysée-Palast, einige Tage später nahm sie an einer Videokonferenz mit Journalisten teil, und mit ihrer Familie beteiligte sie sich an einem Klimamarsch in Arras.

Der Vorfall macht die Spannung deutlich, der Politikerinnen ausgesetzt sind, wenn sie sowohl Mutterschaft als auch politische Pflichten bewältigen müssen – in einem Arbeitsumfeld, das als von Männern geprägt und für Männer geschaffen beschrieben wird.

Quellen: Le Monde.