Viele Wählerinnen und Wähler in New York City sahen die Zwischenwahlen als mehr als einen Wettbewerb um Sitze in der Legislative: Sie betrachteten sie als Referendum über Präsident Donald Trump. Die Wahlbeteiligung in der Stadt war bei einer Zwischenwahl höher als üblich, und vor Wahllokalen befragte Wählerinnen und Wähler sprachen davon, den Einfluss des Präsidenten begrenzen und die Kontrolle über den Kongress verschieben zu wollen.
Joan Firestone, die auf Manhattans Upper West Side ihre Stimme abgab, sagte, bei der Wahl gehe es darum, die Kontrolle des Kongresses wiederherzustellen. Sie äußerte zudem die Sorge, dass einzelne Stimmen in einer Demokratie untergehen könnten. Firestone begrüßte die Aussicht, dass die New Yorker Hakeem Jeffries und Chuck Schumer das Repräsentantenhaus beziehungsweise den Senat führen könnten, falls die Demokraten die Kontrolle übernähmen. Sie sagte, die beiden hätten sich diese Chance verdient.
Das wichtigste lokale Rennen war die Gouverneurswahl. In dem Bericht zitierte Umfragen räumten der amtierenden Demokratin Kathy Hochul einen deutlichen Vorsprung vor dem Republikaner Bruce Blakeman ein. Dieser konzentrierte seinen Wahlkampf auf die öffentliche Sicherheit und warb um Unterstützung außerhalb von New York City, unter anderem auf Long Island und im konservativeren Norden des Bundesstaates.
Dennoch kamen die Gespräche der Wählerinnen und Wähler häufig auf die Möglichkeit zurück, dass die Demokraten die Kontrolle über den Kongress gewinnen könnten. Die Psychiaterin Graciana Lapetina sagte, sie habe demokratisch gewählt, sei Umfragen gegenüber aber skeptisch. Sie erinnerte an frühere Wahlen, bei denen die Demokraten zunächst in Führung gelegen hätten, bevor die Republikaner gewannen. Steigende Lebenshaltungskosten sowie Kraftstoff- und Lebensmittelpreise, Korruption, der Krieg im Iran und das Vorgehen der Einwanderungsbehörden schürten ihrer Aussage nach den Unmut in der Bevölkerung.
Oliver Barrett, ein 36-jähriger Musiklehrer, der aus Texas nach New York gezogen war, sagte, er wünsche sich stärkere Kontrollen und ein ausgewogeneres Machtgefüge in der Regierung. Er verwies auf die Inflation, den Konflikt im Nahen Osten und das, was er als Mangel an Professionalität und Führungsstärke in Washington ansah. Barrett kritisierte zudem, dass sich das Weiße Haus auf Beiträge in sozialen Medien konzentriere, sowie die Wahlkampfäußerungen von Präsident Trump zu einem Wasserbecken, das das Licht reflektiert. Beides sei von den Sorgen des Alltags abgekoppelt, sagte er.
Adam Wattstein, ein pensionierter Versicherungsangestellter und ehemaliger Restaurantbesitzer, der sich als Wechselwähler bezeichnete, sagte, er sei wütend auf Trump. Er warf dem Präsidenten und seiner Familie vor, das Weiße Haus zum persönlichen Vorteil zu nutzen, und argumentierte, dass Menschen, die Mühe hätten, sich eine Krankenversicherung, Miete, Lebensmittel und Benzin leisten zu können, nicht von der Wirtschaft profitierten.
Quellen: La Vanguardia.