Norbert Röttgen, stellvertretender Vorsitzender der Unionsfraktion, hat zu einer differenzierteren Betrachtung der Personen aufgerufen, die für die am Wochenende ausgebrochenen Unruhen verantwortlich sind. In der ntv-Sendung "Pinar Atalay" betonte Röttgen, dass die Täter stets Einzelakteure und keine Vertreter einer einheitlichen Gruppe waren.

Während er anerkannte, dass viele der an der Gewalt Beteiligten entweder Ausländer oder Deutsche mit ausländischer Herkunft waren, erklärte Röttgen, dass diese Tatsache nicht rechtfertige, daraus ein gemeinsames Milieu abzuleiten. Er stellte ausdrücklich fest, dass es in Deutschland kein einziges "Migrationsmilieu" gibt. Diese Aussage dient als direkte Antwort auf Innenminister Alexander Dobrindt, der die Unruhestifter zuvor als gewaltbereite linke Gruppen und "Chaoten aus dem Migrationsmilieu" beschrieben hatte.

Die Unruhen folgten bundesweiten Jugendprotesten, die von der Gruppe "Gen Z regelt" organisiert wurden. Laut Behörden waren zunächst zehntausende Menschen am Samstag friedlich auf die Straßen gegangen, bevor in Städten wie Frankfurt am Main, Köln und Hamburg schwere Störungen ausbrachen.

Röttgen betonte die Notwendigkeit, zwischen friedlichen Demonstranten und gewalttätigen Tätern klar zu unterscheiden. Er bekräftigte, dass Demonstrieren ein Recht und ein Ausdruck der Demokratie sei, während Gewalt unzulässig sei und die strikte Anwendung des Rechtsstaats erfordere. Er warnte davor, gewalttätigen Akteuren zu erlauben, die Demonstrationsrechte friedlicher Teilnehmer für ihre eigenen Handlungen auszunutzen.

Röttgen ist der erste prominente Unionspolitiker, der Dobrindts spezifische Formulierung kritisiert. Verteidigungsminister Boris Pistorius von der SPD hatte sich zuvor von den Äußerungen distanziert und festgestellt, dass eine solche Zuschreibung in die falsche Richtung führe. Zudem bezeichnete Luigi Pantisano, Vorsitzender der Linken, die Kommentare als billigen Versuch, eine Gruppe als Sündenbock zu machen, um Hass gegen Migranten zu schüren. Felix Banaszak, Vorsitzender der Grünen, kritisierte Dobrindt dafür, dass er versuche, einen Teil der Bevölkerung als nicht wirklich dazugehörig zu markieren.

Quellen: Der Spiegel.