Russland startete am Dienstag einen groß angelegten nächtlichen Angriff auf die Energieinfrastruktur der Ukraine und feuerte 76 Raketen sowie 289 Drohnen auf Ziele in zehn der 24 Regionen des Landes ab. Drei Wärmekraftwerke wurden getroffen und außer Betrieb genommen, sodass ausgedehnte Gebiete, darunter Kyjiw, ohne Strom waren.

Die Angriffe erfolgten, während die Ukraine auf den europäischen Winter zusteuert. Das weckte Befürchtungen über die Folgen längerer Stromausfälle, wenn die Temperaturen unter null Grad fallen. Laut dem Bericht über den Angriff waren 17 der Raketen ballistisch und daher schwer abzufangen.

Separat erklärte Präsident Wolodymyr Selenskyj, die Zahl der Todesopfer eines russischen Angriffs auf eine Schule in Saporischschja, die zur Verteilung humanitärer Hilfe genutzt wurde, sei auf 31 gestiegen. Seinen Angaben zufolge wurden Gleitbomben mit Gleitmodulen eingesetzt. Die erste Bombe schlug ein, als Menschen am Ort Schlange standen; weitere Angriffe trafen, während den Verletzten geholfen wurde.

Die Angriffe erfolgten kurz vor der geplanten Wiederaufnahme der von den USA vermittelten trilateralen Gespräche in Abu Dhabi. Der Kreml bestätigte am Dienstag, dass die Verhandlungen nach einer neunmonatigen, laut dem Bericht mit dem Krieg im Iran zusammenhängenden Pause wieder aufgenommen würden. Die russische Delegation soll von Wladimir Medinski geleitet werden, der Moskau auch 2022 bei Gesprächen mit der Ukraine in der Türkei vertreten hatte.

Unterdessen griff die Ukraine eine weitere Raffinerie in Russland an, obwohl US-Präsident Donald Trump dazu aufgerufen hatte, solche Angriffe einzustellen. Dem Bericht zufolge sollte der Appell die russischen Diesel-Lieferungen im Rahmen einer umstrittenen Vereinbarung mit Wladimir Putin sichern.

Auch die Kämpfe rund um Donezk in der Ostukraine haben sich verschärft. Russland versucht, die Kontrolle über den Teil der Region zu erlangen, der noch von Kyjiw gehalten wird. Berichte über erfolgreiche ukrainische Gegenangriffe haben das Ausmaß der russischen Gebietsgewinne ungewiss gemacht.

Für Mittwoch ist in Brüssel ein Vorbereitungstreffen mit US-amerikanischen und ukrainischen Vertretern sowie Vertretern europäischer Länder angesetzt. Frankreich und das Vereinigte Königreich haben außerdem angekündigt, in diesem Monat gemeinsam mit neun weiteren europäischen Ländern ein Militärmanöver in Polen zu leiten. An der Übung werden 2.800 Soldaten teilnehmen, darunter 1.500 französische und 300 britische Soldaten. Dabei soll der Einsatz von Gewalt als Reaktion auf einen russischen Angriff geübt werden, wie der britische General Tom Bateman erklärte.

Mit dem Manöver soll die Entsendung einer Friedenstruppe in die Ukraine simuliert werden. Daran nehmen NATO-Mitgliedstaaten teil, es findet jedoch nicht unter dem Kommando des Bündnisses statt. Russland lehnt die Präsenz ausländischer Truppen in der Ukraine ab.

Die diplomatischen Gespräche über ein mögliches Treffen zwischen Trump, Putin und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping bei einem Treffen der asiatisch-pazifischen Staaten in China später in diesem Monat dauern ebenfalls an. Die Aussicht darauf hat in der Ukraine und Europa Proteste ausgelöst, weil ihre Vertreter bei den geplanten Gesprächen fehlen. Am Donnerstag soll die US-amerikanische First Lady Melania Trump russische und ukrainische Gesandte im Weißen Haus empfangen, um ihnen für einen Waffenstillstand zu danken, der es ermöglichte, eine belagerte Stadt in der von Russland besetzten Ukraine mit humanitärer Hilfe zu versorgen.

Quellen: Folha Mundo.