Die Spanische Regierung hat neue Sicherheitsmaßnahmen für den Bahnverkehr sowie ein Hilfspaket in Höhe von 30 Millionen Euro für die Opfer und ihre Angehörigen beschlossen, fast eine Woche nachdem bei einem Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge 69 Menschen ums Leben gekommen waren. Die Maßnahmen sollen die Sicherheit verbessern und dazu beitragen, das Vertrauen der Öffentlichkeit in den Hochgeschwindigkeitsverkehr wiederherzustellen, sagte Verkehrsminister Óscar Puente.
Der Zusammenstoß ereignete sich in der Nähe von Urda, südlich von Madrid, als ein Zug der Renfe auf das Ende eines stehenden Zuges des Betreibers Iryo auffuhr. Es war Spaniens zweites schweres Hochgeschwindigkeitsbahnunglück innerhalb von neun Monaten: Im Januar starben bei einem Zusammenstoß in Adamuz in Andalusien 46 Menschen.
Die Ermittler, die den Unfall von Urda untersuchen, konzentrieren sich auf den Ausfall des Zugschutzsystems LZB und mögliche Fehler in der Leitstelle des Infrastrukturbetreibers Adif. Vorläufigen Erkenntnissen zufolge könnte ein Mitarbeiter nach dem Ausfall des Steuerungssystems falsche Anweisungen gegeben haben.
Die Zahl der Züge zwischen Madrid und Sevilla wird reduziert, bis das europäische Signalsystem ERTMS auf der Strecke in Betrieb ist. Fällt das bestehende LZB-System aus, muss eine zweite Person in der Leitstelle die Anweisungen an die Triebfahrzeugführer überprüfen und bestätigen. Die Regierung plant außerdem, die Besetzung der Leitstellen aufzustocken und die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten zu verbessern.
Während der Sperrung der Unfallstrecke gelten Preisobergrenzen für alternative Verkehrsmittel, um überhöhte Kosten für Reisende zu verhindern. Das Hilfspaket umfasst direkte staatliche Beihilfen, Vorschüsse auf künftige Entschädigungszahlungen und eine Verdoppelung der Leistungen aus der gesetzlichen Fahrgastversicherung. Die Opfer und ihre Angehörigen erhalten Unterstützung über eigens eingerichtete Anlaufstellen; für Verletzte ist zudem eine Sonderregelung bei vorübergehender Arbeitsunfähigkeit vorgesehen.
Die Behörden haben alle 69 Todesopfer identifiziert: 40 Männer und 29 Frauen. Von den rund 200 Verletzten befinden sich noch 37 im Krankenhaus. Das Unglück hat scharfe Kritik an der Minderheitsregierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez ausgelöst; die Opposition fordert vor den vorgezogenen Parlamentswahlen personelle Konsequenzen.
Quellen: Tagesschau.
