US-Präsident Donald Trump hat die Aussicht auf neue Angriffe auf den Iran ins Spiel gebracht und erklärt, Washington müsse sich möglicherweise noch mit ein oder zwei Einrichtungen befassen; dabei nannte er einen verdächtigen Nuklearkomplex an einem Berg südlich von Teheran. Die Äußerungen fielen inmitten von Spekulationen über erneute Militäraktionen nach den US-Zwischenwahlen und nach dem Ende der Wahlen in Israel.
Trump sagte, die Vereinigten Staaten hätten Irans Nuklearprogramm „eliminiert“, doch ein oder zwei Standorte blieben bestehen; er fügte hinzu, dies könne in zehn Minuten erledigt werden. Er bezog sich ausdrücklich auf den Berg Kolang, bekannt als Pickaxe Mountain, den er bereits zuvor als Ziel genannt habe. Der Berg liegt in der Provinz Isfahan, etwa 200 Kilometer südlich von Teheran und in der Nähe der Nuklearanlage Natanz. Irans Regierung bestreitet, dass dort Nukleararbeiten stattfinden.
Trump sagte außerdem, die USA hätten es mit weiteren Angriffen nicht eilig und die Gespräche über die Beendigung des Iran-Kriegs liefen gut, obwohl er die Iraner als nicht sehr verlässlich beschrieb. Außenminister Marco Rubio hatte zuvor gesagt, Trump habe noch nicht über neue Angriffe entschieden und Washington sei offen für eine diplomatische Lösung.
Iranische Vertreter reagierten mit Vergeltungsdrohungen. Oberster Führer Mojtaba Khamenei warnte vor einer sofortigen, wirksamen und geografisch uneingeschränkten Antwort. Armeesprecher Mohammed Akraminia sagte am Sonntag, ein möglicher künftiger Krieg könne länger dauern als der vorherige Konflikt und Trump werde nicht in der Lage sein, dessen Zeitpunkt oder Bedingungen zu diktieren. Verteidigungsminister Mehrdad Achlaghi sagte laut staatlichem Fernsehen, der Iran werde auf jeden Angriff eine verhältnismäßige, entschlossene und wirksame Antwort geben, und diejenigen, die Drohungen aussprachen, würden nicht Umfang, Zeitpunkt oder Folgen der defensiven Reaktion Irans bestimmen.
Außenminister Abbas Araghchi sagte, derzeit seien keine Treffen mit US-Vertretern geplant, doch Konsultationen über Vermittler würden fortgesetzt. Er bestätigte erstmals offiziell, dass die Führung in Teheran einen Brief von US-Vizepräsident JD Vance erhalten habe. Laut einem Bericht des Wall Street Journal konzentrierte sich der Brief eher auf einen möglichen Verhandlungsrahmen als auf Einzelheiten eines Friedensvorschlags.
Die diplomatischen Bemühungen zur Verhinderung einer weiteren Eskalation dauern an. Anwar Gargash, diplomatischer Berater des Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate, sagte auf einer Konferenz in Manama, Bahrain, er hoffe auf einen diplomatischen Durchbruch, doch die VAE seien auch auf das Schlimmste vorbereitet.
Der Iran-Krieg begann Ende Februar mit Angriffen der Vereinigten Staaten und Israels. Die diplomatischen Bemühungen gerieten ins Stocken, nachdem im Juni eine Vereinbarung gescheitert war. Im Persischen Golf wurde der Flüssiggastanker Al Mayeda, der Katars staatlicher Gastransportgesellschaft gehört, nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Katars von unbekannten Geschossen getroffen. Kein Besatzungsmitglied wurde verletzt. Seit Beginn des Kriegs hat Teheran die Straße von Hormus weitgehend blockiert und dort regelmäßig Schiffe angegriffen, während die USA eine Seeblockade über iranische Häfen verhängt haben.
Quellen: Der Spiegel.