Die öffentlich-rechtlichen Sender in der Tschechischen Republik befinden sich derzeit im Streik als Reaktion auf ein umstrittenes Gesetz, das von der rechts-populistischen Regierung verabschiedet wurde. Die Gesetzgebung hebt die traditionelle Rundfunkgebühr auf und schreibt vor, dass tschechisches Fernsehen und Radio direkt aus dem Staatshaushalt finanziert werden müssen. Kritiker und Gewerkschaftsvertreter argumentieren, dass diese Verschiebung ein erhebliches Risiko für die Unabhängigkeit der Berichterstattung und die nachhaltige Finanzierung der öffentlichen Medien darstellt.

Daniel Stach, ein Fernsehmoderator, der den Streik zusammen mit Kollegen organisiert, betonte, dass die Aktion darauf abzielt, ein unabhängiges Rundfunksystem für die Öffentlichkeit und nicht für Politiker zu schützen. In einem Interview erklärte Stach, dass die aktuelle Situation deutlich potenzielle Risiken für die Autonomie des Tschechischen Fernsehens und des Tschechischen Radios aufzeige. Um ihren Protest zu demonstrieren, wurde das Programm sowohl im Radio als auch im Fernsehen spürbar reduziert, wobei ein großer Teil der Belegschaft am Streik teilnimmt. Studentenorganisationen und Schauspielergewerkschaften haben sich der Aktion ebenfalls in Solidarität angeschlossen.

Das vorgeschlagene Gesetz umfasst eine Haushaltskürzung von etwa 15 Prozent für die öffentlichen Medien. Die Regierungskoalition brachte den Gesetzentwurf am Samstagmorgen um 4:36 Uhr nach der ersten Lesung zur Abstimmung, ein Schritt, der bei vielen tschechischen Bürgern Wut auslöste. Tausende demonstrierten am Wochenende in Prag, und in den folgenden Tagen gab es kleinere Proteste in anderen Städten. Demonstranten und Oppositionsmitglieder teilen die Sorge, dass die politische Führung versuchen könnte, die Nachrichtenberichterstattung zu beeinflussen.

Premierminister Andrej Babiš hat diese Anschuldigungen zurückgewiesen und behauptet, dass die Medienunabhängigkeit gewahrt bleiben wird und die Regierung niemals in redaktionelle Arbeit oder Personalangelegenheiten eingreifen werde. Er beschrieb das Ziel als Sicherstellung einer stabilen und vorhersehbaren Finanzierung. In einem kürzlich durchgeführten Interview mit einem privaten Fernsehsender schlug Babiš jedoch ein alternatives Modell vor, bei dem Gebühren freiwillig wären, sodass Bürger entscheiden könnten, ob sie zahlen möchten, während der Staat einen bestimmten Betrag übernimmt. Zudem werden Diskussionen über ein Modell geführt, das denen in den nordischen Ländern ähnelt und eine spezielle Mediennutzungsteuer zur Teilfinanzierung vorsieht.

Die Situation weist Parallelen zu Slowakei auf, wo Rundfunkgebühren 2023 zugunsten direkter Staatszahlungen abgeschafft wurden. Seit dieser Änderung hat der slowakische öffentlich-rechtliche Sender Haushaltskürzungen erfahren und kürzlich weitere Entlassungen angekündigt. In der Tschechischen Republik prüft die Medienkommission nun den Gesetzentwurf, während Protestierende und Oppositionspolitiker eine gründliche Debatte über mögliche Änderungen fordern.

Der Politikwissenschaftler Jirio Pehe warnte davor, die Zivilgesellschaft zu unterschätzen und stellte fest, dass Regierungsversuche, Demonstranten als bloße Aktivisten zu delegitimieren, Fehler widerspiegeln, die von Kollegen in Polen und Ungarn begangen wurden. Er argumentierte, dass solche Taktiken historisch gesehen die Zivilgesellschaft in diesen Ländern gestärkt haben. Aktuelle Umfragen zeigen, dass eine Mehrheit der Bevölkerung die Art und Weise ablehnt, wie die Regierungskoalition die Rundfunkreform handhabt.

Quellen: Tagesschau.