Die Demokraten übernahmen bei den ersten Ergebnissen der US-Zwischenwahlen am Dienstag die frühe Führung und gewannen mit Beginn der Auszählung 67 Sitze im Repräsentantenhaus gegenüber 29 für die Republikaner. Die vorläufigen Zahlen stammten aus den ersten Wahllokalen, die in Indiana und Kentucky schlossen; in Alaska sollte die Stimmabgabe später enden.
Alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus stehen zur Wahl, ebenso 35 der 100 Sitze im Senat. Die Demokraten müssen mindestens drei Sitze im Repräsentantenhaus und vier im Senat hinzugewinnen, um in beiden Kammern Mehrheiten zu sichern. Während die Umfragen die Demokraten im Repräsentantenhaus vorn sehen, dürfte eine Reihe knapper Senatswahlen darüber entscheiden, welche Partei diese Kammer kontrolliert.
Der Weg im Senat ist für die Demokraten besonders schwierig. Sie müssen jeden Sitz verteidigen, den sie derzeit innehaben, und mindestens zwei Bundesstaaten gewinnen, die Trump 2024 mit deutlichem Vorsprung für sich entschied, darunter Alaska, Iowa, Kansas, Nebraska, Ohio, South Carolina und Texas.
In Texas hat der 37-jährige Demokrat James Talarico die Hoffnungen seiner Partei erneuert, einen Bundesstaat zu gewinnen, in dem sie jahrzehntelang Niederlagen erlitten hat. Sein Gegner ist der 63-jährige republikanische Generalstaatsanwalt Ken Paxton, der von dem Wirtschaftsmagnaten Elon Musk Spenden in Höhe von Hunderten Millionen Dollar erhalten hat.
Die Wahl könnte das Kräfteverhältnis im Parlament für den Rest von Trumps Präsidentschaft verschieben. Historische Trends sprechen für die Demokraten: Seit dem Zweiten Weltkrieg hat die Partei des Präsidenten bei allen bis auf zwei Zwischenwahlen im Kongress an Boden verloren. Trumps Zustimmungswerte liegen nahe ihrem Tiefstand, während die Wähler ihre Unzufriedenheit mit dem Krieg gegen den Iran, den steigenden Treibstoffpreisen und den Lebenshaltungskosten zum Ausdruck bringen.
Die Popularität des Präsidenten stand im Mittelpunkt des Wahlkampfs. Am Dienstag sagte Trump, er wolle die jährlichen US-Hilfen für Israel in Höhe von 3,8 Milliarden Dollar stoppen und damit offenbar Wähler ansprechen, die mit der Unterstützung der USA für das Land unzufrieden sind. Wie er dies tun würde, war unklar, da ein Gesetz aus dem Jahr 2020 die Höhe der Hilfen festlegt.
Das Bündnis zwischen den USA und Israel ist ein wichtiges Thema in Michigan, wo der 42-jährige Demokrat Abdul El-Sayed mit scharfer Kritik an Israel antritt. Bei seiner Wahl wäre er der erste muslimische Senator in der Geschichte der USA. Trump und andere Republikaner haben El-Sayed und weitere demokratische Kandidaten als radikal, antiamerikanisch und sogar kommunistisch dargestellt; die Kandidaten weisen diese Beschreibungen als Übertreibungen zurück.
Trump hat versucht, seine Anhänger mit mehr als zwei Dutzend Wahlkampfveranstaltungen seit Anfang Oktober zu mobilisieren, die meisten davon in Bundesstaaten, die er 2024 problemlos gewann. Meinungsumfragen zeigen, dass die Lebenshaltungskosten das wichtigste Anliegen der Wähler sind – ein Thema, bei dem der Präsident schlechte Bewertungen erhält. Zölle auf importierte Waren, von denen viele später von Gerichten aufgehoben wurden, sowie die Entscheidung, im Februar den Iran anzugreifen, trugen laut dem Bericht zu höheren Verbraucherpreisen bei.
Aus Teilen von Georgia, Iowa, Mississippi und New York wurden Probleme mit Wahlzettel-Lesegeräten gemeldet, die die Stimmabgabe und die Auszählung verzögerten. Wahlfachleute sagen, dass Geräteausfälle nicht ungewöhnlich seien und dank Ersatzsystemen und anderer Sicherheitsvorkehrungen nur selten die Ergebnisse beeinflussten.
Das Justizministerium erklärte, es habe 1.000 Wahlbeobachter und Wahlaufsichtsbeamte in allen 50 Bundesstaaten eingesetzt und bezeichnete den Einsatz als den größten eintägigen Wahlbeobachtungseinsatz in der Geschichte des Landes. Die Demokraten kritisierten den Einsatz mit der Begründung, er könne Wähler einschüchtern. Eine Reuters-Analyse ergab, dass die Wähler in rund zwei Dritteln der vom Ministerium aufgeführten Wahlbezirke bei der Präsidentschaftswahl 2024 Kamala Harris gegenüber Trump unterstützt hatten.
Trump, der wiederholt und fälschlich behauptet hat, US-Wahlen seien manipuliert, könnte die Ergebnisse anfechten, falls die Republikaner verlieren.
Quellen: Folha Mundo.