Ein Gericht in Lissabon erlaubte der Aktivistin Renata Cambra am Montag, auf dem Rossio ein Zelt aufzustellen, doch das Urteil führte nicht dazu, dass auf dem Platz ein neues Nachtlager entstand. Bei der 17. Volksversammlung stimmten die Demonstrierenden dafür, am Dienstag über Nacht zu bleiben; Cambra ging gegen 1:50 Uhr, und ihr Zelt wurde später von anderen Demonstrierenden abgebaut.

Zu der Versammlung gehörte ein Konzert, das in Karaoke überging, außerdem wurden Rufe laut, in denen Ministerpräsident Luís Montenegro aufgefordert wurde, sich mit Wohnraum und Löhnen zu befassen. Priscila Valadão, Sprecherin des Protestcamps in Lissabon, dankte den Unterstützenden für ihren Rückhalt während 17 Protesttagen und sagte, die Bewegung wolle sich auch mit Gehältern, Krieg und den Lebenshaltungskosten befassen.

Die Demonstrierenden stimmten dafür, ein Treffen mit Präsident António José Seguro anzustreben, nachdem dessen Büro signalisiert hatte, dass es Vertreter der Protestcamps in Lissabon und Porto empfangen würde. Ein Termin wurde noch nicht festgelegt. Außerdem einigten sie sich darauf, am Donnerstag den Pátio da Quintinha im Lissabonner Stadtteil Beato zu besuchen, wo Bewohner von einem Gericht aufgefordert wurden, Belege für ihre Besetzung von Häusern vorzulegen, und eine Koordinierungsgruppe zwischen den beiden Protestcamps zu bilden.

Cambra sagte, die Gerichtsentscheidung schütze den Protest als Ganzes und nicht nur ihr eigenes Recht, ein Zelt aufzustellen. Das Innenministerium erklärte nach dem Urteil, nur Cambra sei dazu berechtigt, ein Zelt aufzustellen. Sie argumentierte, die Entscheidung mache die Beschlagnahmung von Zelten auf Grundlage des von den Behörden angewandten Erlasses rechtswidrig, und sagte, das Gericht habe verlangt, dass Durchgänge für Fußgänger und Einsatzfahrzeuge freigehalten würden.

In der Nähe der Statue von Pedro IV wurden drei Zelte aufgestellt, darunter das von Cambra. Nach der Versammlung leerte sich der Platz nach und nach; einige Dutzend Menschen blieben zurück. Cambra ging gegen 1:50 Uhr; anschließend bauten die verbliebenen Demonstrierenden ihr Zelt ab.

Auch in Porto stimmten die Demonstrierenden dafür, über Nacht zu bleiben. Zunächst wurde auf der Praça D. João I ein grünes Zelt aufgestellt; nach 0:30 Uhr folgte eine Gruppe, die Vorräte und weitere Zelte mitbrachte. Insgesamt wurden 13 Zelte sowie ein kleines Papphaus mit der Aufschrift „mehr Wohnraum, weniger Schlagstöcke“ errichtet. Dem Bericht zufolge bauten die Demonstrierenden die Zelte später nach 4 Uhr wieder ab, während die Bewegung der Darstellung eines Polizeisprechers widersprach, wie die Beamten mit den Aufforderungen, den Platz zu räumen, umgegangen seien.

Quellen: Observador.