Der Druck auf den Adif-Präsidenten Luis Pedro Marco de la Peña wächst vor dem Auftritt von Verkehrsminister Óscar Puente im spanischen Parlament am Dienstag. Oppositionsparteien und einige parlamentarische Verbündete der Sozialistengruppe fordern Marco de la Peñas Entlassung, möglicherweise gemeinsam mit der Puentes, nachdem bei dem Unfall in Urda (Toledo) am 28. Oktober 69 Menschen ums Leben kamen.
Puente soll um 17 Uhr vor dem Ständigen Ausschuss des Parlaments erscheinen, um die Tragödie zu erklären. Die Regierung wird außerdem voraussichtlich Sofortmaßnahmen zur Verstärkung der Sicherheit auf der Strecke Madrid–Sevilla ankündigen. Dazu gehört eine automatische Anweisung, nach der Züge bei einem Ausfall des LZB-Schutzsystems und der anschließenden Übernahme durch das sekundäre ASFA-System mit weniger als 40 Kilometern pro Stunde weiterfahren müssen.
Die Ermittlungen prüfen, ob Züge, die in der Nähe von Urda angehalten hatten, vom Verkehrsleitzentrum von Adif in Madrid-Atocha die falsche Betriebsanweisung erhielten. In dieser Situation schreibt das LZB3-Protokoll vor, dass Züge mit reduzierter Geschwindigkeit und erhöhter Vorsicht weiterfahren. Die LZB4-Anweisung erlaubt dagegen unter Beachtung der Signale an der Strecke normale Geschwindigkeiten von bis zu 200 Kilometern pro Stunde. Den Berichten zufolge erhielten die betroffenen Züge nach ihrem Halt in der Nähe von Urda die letztgenannte Anweisung.
Adif, die Eisenbahnsicherheitsbehörde und die drei Betreiber der Strecke Madrid–Sevilla – Renfe, Iryo und Ouigo – arbeiten an einem einheitlichen Protokoll für Situationen, in denen LZB nicht verfügbar ist. Die von der Quelle konsultierten Ingenieure befürworten außerdem die Installation zusätzlicher Signale, damit das ASFA-System mit kürzeren Streckenabschnitten arbeitet. Das Sicherheits- und Signalsystem ERTMS ist seit Juni entlang der gesamten Strecke installiert und soll Anfang 2027 in Betrieb genommen werden, nachdem es während nächtlicher Wartungsarbeiten an Wochenenden getestet wurde.
Die Position Marco de la Peñas steht seit dem Unfall in Adamuz (Córdoba), bei dem 46 Menschen starben, unter Beobachtung. Die Ermittlungen konzentrieren sich dort auf den unerwarteten Bruch einer Schiene oder einer Schweißnaht auf der Strecke Madrid–Sevilla. Im März wies der Adif-Präsident Vorwürfe zurück, das Unternehmen habe Beweise entfernt oder vertuscht, und verteidigte zugleich die Überwachung der Infrastruktur und die Sicherheitsbilanz des Unternehmens.
Später erklärte er im Senat, dass er nicht zurücktreten werde. Er verwies dabei auf sein Engagement, die Ursachen des Geschehens festzustellen und einen weiteren ähnlichen Vorfall zu verhindern. Adif berichtete, dass das LZB-System auf der Strecke Madrid–Sevilla 150- bis 200-mal jährlich ausfällt, darunter 13 Vorfälle in der Umgebung von Urda im Jahr 2026. Die Ermittler dürften untersuchen, wie der Infrastrukturbetreiber auf diese Ausfälle reagierte.
Adif bestritt am Montag außerdem, dass Marco de la Peña sich gegen eine Erhöhung der Wartungsinvestitionen ausgesprochen habe. Das Unternehmen erklärte, der Wartungshaushalt sei von 703 Millionen Euro im Jahr 2018 auf 1,375 Milliarden Euro im Jahr 2026 gestiegen. Zudem habe der Präsident den von der Infrastrukturabteilung des Unternehmens vorgeschlagenen Betrag in den diesjährigen Haushalt aufgenommen.
Der 57-jährige Bauingenieur aus Santander, Marco de la Peña, wurde am 17. September 2024 zum Präsidenten von Adif ernannt und löste Ángel Contreras ab. Zuvor hatte er leitende Positionen im privaten Bausektor inne und war Generaldirektor der baskischen öffentlichen Eisenbahninfrastrukturbehörde Euskal Trenbide Sarea sowie für Aufgaben im Bereich der baskischen Infrastruktur und des Verkehrs zuständig.
Der Druck auf Adif folgt auf den Abgang hochrangiger Beamter nach dem Unfall in Adamuz und einem anschließenden Vorfall auf der Rodalies-Linie R4 in Gelida (Barcelona). Von der Quelle zitierte politische und technische Kreise rechnen mit weiteren Entlassungen, sobald Puente dem Parlament die Darstellung der Regierung vorgetragen hat.
Quellen: El País Portada.