Eine Reihe von Störungen und Notfällen hat bei einigen Spanierinnen und Spaniern das Gefühl hervorgerufen, dass ihr Land nicht richtig funktioniert. Der spanischsprachige Meinungsbeitrag verweist auf Probleme im Bahnverkehr, den großen Stromausfall, Waldbrände, die Dana und steigende Preise. Zugleich warnt er, dass zugespitzte Darstellungen in sozialen Medien echte Sorgen zu pauschalen Behauptungen über das Versagen der Institutionen machen können.

Der Artikel hält fest, dass Verkehrsminister Óscar Puente am Vortag zurückgetreten ist und damit die persönliche Verantwortung für wiederholte Probleme im Hochgeschwindigkeitsverkehr übernommen hat. Dies sollte jedoch kein Anlass sein, die Institutionen des Landes generell abzulehnen, argumentiert der Beitrag. Spanien habe erhebliche Schwächen, sei aber weiterhin ein Land mit einem hohen Wohlstandsniveau, das verbessert und nicht zerschlagen werden sollte.

Die Debatte spiegelt sich in den Äußerungen zweier im Artikel zitierter Experten wider. Jorge Galindo, Direktor von EsadeEcPol, fordert ein neues, leistungsfähiges staatliches Vorhaben, das auf Investitionen in Infrastruktur und staatliche Kapazitäten ausgerichtet ist. Ignacio Urquizu, Direktor von Metroscopia, sagt, eine Umfrage, die das Unternehmen im Vorjahr durchgeführt habe, habe ergeben, dass drei von vier Spanierinnen und Spaniern glaubten, das Land funktioniere nicht.

Der Artikel benennt das Bevölkerungswachstum als eine große Belastung für Dienste und Infrastruktur. Spanien hatte im Januar 2020 47,4 Millionen Einwohner und ist inzwischen auf 49,8 Millionen gekommen. Die jüngste Prognose des Nationalen Statistikinstituts geht von 53,8 Millionen Einwohnern bis 2041 aus. Der Beitrag argumentiert, die Planung für diesen Anstieg müsse bereits laufen; Infrastruktur, Wohnraum und öffentliche Dienste würden jedoch nicht ausreichend ausgebaut, insbesondere in den Großstädten.

Er bringt den Bevölkerungsdruck mit Schwierigkeiten bei der Vereinbarung von Arztterminen, überfüllten Pendlerzügen und U-Bahnen, dem sich verschlechternden Zustand der Straßen, schmutzigeren Gemeinden und dichterem Verkehr in Verbindung. Ohne zusätzliche Kapazitäten könnten diese Belastungen weiter zunehmen. Benötigt würden weitere Gesundheitszentren, Schulen, Universitäten, Straßen und öffentliche Verkehrsmittel, um eine größere Bevölkerung zu versorgen.

Der Beitrag wirft außerdem Fragen zu den Ausgabenprioritäten auf, darunter das Verhältnis zwischen Hochgeschwindigkeitsstrecken und Pendlernetzen, die Verlegung von Bahnstrecken und Straßen unter die Erde in Städten sowie die Frage, wie Straßen ohne Mautgebühren instand gehalten werden können. Spanien müsse entscheiden, was für ein Land es bis 2050 sein wolle und wie die für dieses Modell erforderlichen Dienste und Infrastrukturen finanziert werden sollten, argumentiert der Beitrag. Diese Debatte und nicht pauschale Behauptungen über ein Versagen des Systems stellt er als zentrale Herausforderung dar.

Quellen: La Vanguardia.