Europäische Vertreter verfolgen die US-Zwischenwahlen aufmerksam, obwohl sie sich auf innenpolitische Themen konzentrieren. Entscheidungen von Präsident Donald Trump haben Menschen und Unternehmen in Europa betroffen, unter anderem durch die Unsicherheit bei Zöllen, die die deutsche Industrie belastet hat, sowie durch höhere Lebensmittel- und Kraftstoffpreise im Zusammenhang mit dem Krieg im Iran, heißt es in dem Bericht.
Einige in Brüssel hoffen, dass eine Veränderung der Mehrheitsverhältnisse im Kongress dazu beitragen könnte, die US-Politik auf ein berechenbareres Verhältnis zur EU auszurichten. Rasmus Andresen, ein Mitglied des Europäischen Parlaments, das dessen Delegation für die Beziehungen zu den USA angehört, sagte, es gebe große Hoffnung, dass andere Mehrheitsverhältnisse eine Kurskorrektur in den transatlantischen Beziehungen bewirken könnten.
Ein starkes Ergebnis der Demokraten könnte Trump jedoch auch erzürnen, warnte Bernd Lange, Vorsitzender des Handelsausschusses des Europäischen Parlaments. Lange sagte, die Regierung könnte den Handelskonflikt wieder aufflammen lassen, der seit Monaten weitgehend geruht hat. Zölle auf europäische Arzneimittel und Maschinen gehörten zu den Risiken und könnten eine Reaktion der EU nach sich ziehen. Europa müsse eine entschlossene Haltung bewahren, argumentierte er, denn Trump biete weder Sicherheit noch Berechenbarkeit.
Eine demokratische Mehrheit in beiden Kammern wäre nicht zwangsläufig in der Lage, bereits verhängte Zölle rückgängig zu machen. Trump hat sich bei seiner Handelspolitik auf präsidentielle Verfügungen gestützt, und die Befugnisse des Präsidenten in diesem Bereich sind weitreichend. EU-Abgeordnete und Vertreter der Europäischen Kommission setzen stattdessen gewisse Hoffnungen auf US-Gerichte, die bereits entschieden haben, dass viele der Zölle rechtswidrig waren. Richter könnten auch prüfen, ob die Regierung ältere Gesetze, die sie als Grundlage für weitere Zölle anführt, korrekt auslegt.
Im Verteidigungsbereich sind einige EU-Mitglieder besorgt, dass Trump seinen Frust an den NATO-Verbündeten auslassen könnte. Der Präsident kann den Abzug von US-Truppen aus Europa beschließen, und dem Bericht zufolge kündigte das Pentagon im Mai an, 5.000 Soldaten aus Deutschland abziehen zu wollen. Ein Bericht über die US-Truppenpräsenz wird im Dezember erwartet.
Daniela Schwarzer, Präsidentin der Hertie School, warnte, eine schwere Wahlniederlage könnte Trumps Außenpolitik unberechenbarer machen, wenn er versuchen sollte, von einem Machtverlust im eigenen Land abzulenken. Der Kongress könne die Außenpolitik durch Gesetze und Resolutionen beeinflussen, sagte sie, doch Trump habe gezeigt, dass er sie ignorieren könne. Der Bericht stellt außerdem fest, dass der Kongress den Krieg im Iran nicht genehmigt hat.
Ein von den Demokraten kontrollierter Kongress könnte Trump somit innenpolitisch einschränken, während Brüssel weiterhin besorgt wäre, dass er mit Maßnahmen in der Handels- oder Außenpolitik reagieren könnte.
Quellen: Tagesschau.