Der Stromverbrauch deutscher Rechenzentren und kleinerer IT-Anlagen dürfte angesichts der steigenden Nachfrage nach künstlicher Intelligenz und Cloud-Diensten stark zunehmen. Nach Angaben des Digitalverbands Bitkom werden sie 2026 voraussichtlich rund 23 Milliarden Kilowattstunden verbrauchen – das entspricht dem Jahresverbrauch von etwa 6,5 Millionen Haushalten.

Der Verband erwartet, dass der Bedarf BIS 2030 auf 35 bis 38 Milliarden Kilowattstunden und bis 2035 möglicherweise auf 56 bis 70 Milliarden Kilowattstunden steigt. Die obere Schätzung liegt etwa dreimal so hoch wie der Wert für 2026.

Bitkom warnt, dass begrenzte Kapazitäten in den Stromnetzen und langwierige Genehmigungsverfahren den Ausbau von Rechenzentren bremsen könnten. In einer Studie des Borderstep Instituts bezeichneten rund 80 % der befragten Betreiber und Branchenexperten eingeschränkte Netzanschlüsse als größte Herausforderung für die Branche.

Das Wachstum wird insbesondere durch generative und industrielle KI vorangetrieben. KI und Hochleistungsrechnen machen 2026 etwa 20 % der Rechenzentrumskapazität in Deutschland aus; Bitkom erwartet, dass dieser Anteil bis 2035 auf 55 % steigt. Die damit verbundene Anschlussleistung könnte von 670 Megawatt auf rund 5.300 Megawatt zunehmen.

Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst forderte Maßnahmen wie niedrigere Stromsteuern oder einen Industriestrompreis für Rechenzentren sowie schnellere Planungsverfahren. Der Verband berichtete außerdem, dass die Investitionen in deutsche Rechenzentren 2026 voraussichtlich einen Rekordwert von 23,5 Milliarden Euro erreichen werden – 57 % mehr als im Vorjahr.

Trotz der steigenden Gesamtnachfrage wächst der Energieverbrauch laut Bitkom langsamer als die Rechenkapazität. Moderne Server können bis zu dreimal so energieeffizient sein wie Systeme aus dem Jahr 2021. Der Verband teilte außerdem mit, dass 65 % der deutschen Rechenzentren höchstens 0,1 Liter Wasser pro Kilowattstunde verbrauchen, während Verdunstungskühlung, die mehr Wasser benötigen kann, bei etwa einem Drittel der Anlagen eingesetzt wird.

Quellen: Der Spiegel.