Die politischen Bedingungen scheinen die Demokraten bei den Zwischenwahlen in den USA zu begünstigen, so Daniela Melo, Professorin für Politikwissenschaft an der Boston University. Sie sagte, aktuelle Umfragen hätten gezeigt, dass die Unterstützung für die Demokraten in hart umkämpften Wahlkreisen zunehme, auch wenn das Rennen um den Senat zu knapp sei, um vor Auszählung der Stimmen eine verlässliche Prognose abzugeben.
Melo bezeichnete die Zwischenwahlen als Bewährungsprobe für die Partei an der Macht und als Referendum über den Präsidenten. In den vergangenen zwei Jahren seien die Demokraten in beiden Kammern des Kongresses in der Minderheit gewesen, sagte sie, was ihre Möglichkeiten eingeschränkt habe, sich über die formellen Institutionen gegen die republikanische Agenda zu stellen. Schon der Gewinn einer Kammer würde ihnen in Washington eine größere Rolle verschaffen.
Sie verwies auf die Inflation, die gestiegenen Lebenshaltungskosten und den unpopulären US-Einsatz im Iran als Faktoren, die Trump und die Republikaner belasteten. Ihrer Einschätzung nach erstreckt sich die Unzufriedenheit auch auf einige Wähler, die Trump zuvor unterstützt hatten, darunter junge Männer und Latino-Wähler. Einwanderungs-, Wirtschafts- und Zollpolitik trügen zum Unmut bei.
Die Wahlbeteiligung werde entscheidend sein, sagte Melo, da bei Zwischenwahlen im Allgemeinen weniger Menschen abstimmten als bei Präsidentschaftswahlen. Diejenigen, die tatsächlich wählen gingen, seien tendenziell politisch engagierter, weshalb es für beide Parteien wichtig sei, ihre Kernwählerschaft zu mobilisieren. Trump habe seine Basis zum Wählen aufgerufen, doch Melo bezweifelte, dass diese Bemühungen angesichts des Ärgers über die Preise und die Dieselkosten ausreichen würden.
Sie fügte hinzu, dass ländliche Gemeinden und Branchen wie die Landwirtschaft und die Fischerei von den höheren Dieselkosten und der Zollpolitik betroffen seien. Einige frühere Trump-Wähler könnten stattdessen zu Hause bleiben oder für die Demokraten stimmen, sagte sie. Damit sei die Wahlbeteiligung ebenso wichtig wie jede Veränderung der Wählerpräferenzen.
Quellen: Observador.