Inter d’Escaldes ist der erste andorranische Verein, der die Ligaphase eines UEFA-Wettbewerbs erreicht hat. Der Klub zog in die Conference League ein, nachdem Vereine aus dem Land im Laufe der Jahre mehr als 200 Spiele in europäischen Qualifikationsrunden bestritten hatten.
Die Mannschaft aus einer Gemeinde mit rund 16.900 Einwohnern verlor ihr Auftaktspiel auswärts gegen Schwedens Mjällby mit 0:2, bevor sie den rumänischen Verein U Craiova zu ihrem ersten europäischen Heimspiel empfing. Die Partie wurde im Stadion des andorranischen Fußballverbands ausgetragen, das 2025 eröffnet wurde und 5.600 Zuschauer aufnehmen kann. Die Zuschauerzahl lag bei etwas mehr als 1.000, darunter eine beträchtliche Gruppe rumänischer Anhänger.
Die Anforderungen der UEFA zu erfüllen, war für einen Verein mit rund einem Dutzend Büroangestellten eine große Aufgabe. Inter d’Escaldes arbeitet zudem in einem Land mit etwa 90.000 Einwohnern, in dem Sportorganisationen um ein begrenztes Publikum konkurrieren und die heimische Liga nicht im Fernsehen übertragen wird, obwohl die Spiele auf Twitch verfolgt werden können.
Der Marktwert des Vereins wird auf etwa 4,5 Millionen Euro geschätzt, womit er der zweitniedrigste unter den 36 Mannschaften des Wettbewerbs ist. Generalmanager Demon Menday, der für Mallorca und Betis gearbeitet hat, sagte, das Projekt verbinde ein bescheidenes Budget mit in Spanien entwickelter Fußballerfahrung. Der ehemalige Inter-Spieler und andorranische Fußballer Ildefons Lima betonte ebenfalls die Bedeutung der Auslosung und eines konkurrenzfähigen Kaders.
Finanzielle Unterstützung des indischen Mischkonzerns RDB Group hat dem Verein geholfen, fünf der vergangenen sieben nationalen Meistertitel zu gewinnen. Menday sagte, der Klub habe hart arbeiten müssen, um Spieler, Trainerstab und Verwaltungspersonal zu gewinnen, und dabei Andorras Lebensqualität, sein Steuersystem und die Möglichkeit, in einem Wettbewerb der höchsten Spielklasse anzutreten, als Vorteile präsentiert.
Der europäische Aufstieg des Vereins erfolgt trotz der Grenzen des Talentpools des Landes. Mannschaften, die an den Qualifikationsrunden teilnehmen, müssen acht Plätze für lokal ausgebildete Spieler reservieren, doch Menday zufolge verfügt Andorra nicht über genügend Nachwuchsspieler für seine vier in Europa antretenden Vereine. Er sagte zudem, das Wachstum des FC Andorra, der in Spaniens zweiter Liga spielt, habe dem Sport mehr Aufmerksamkeit verschafft, könne es den lokalen Vereinen aber erschweren, vielversprechende junge Spieler zu halten.
U Craiova ging im Heimspiel früh mit 2:0 in Führung und erzielte innerhalb der ersten fünf Minuten zwei Tore. Inter antwortete durch Borja Arellano und drohte auszugleichen, doch die Gäste stellten ihren Vorsprung schließlich wieder her und gewannen mit 3:1. Juan Cámara, der unter Luis Enrique mit Barcelona sein Debüt in der Champions League gab, sagte, die Mannschaft habe gezeigt, dass sie trotz gegenteiliger Erwartungen konkurrenzfähig sein könne.
Lima, der mit 26 Jahren und 82 Tagen den Guinness-Weltrekord für die längste internationale Karriere hält, sagte, Inters Ziel sei es, weiter mitzuspielen und selbst gegen stärkere Gegner einen Punkt anzustreben. Zu den verbleibenden Spielen des Vereins gehören eine Reise zu Roter Stern Belgrad sowie anschließend Partien gegen Kopenhagen, Getafe und den dänischen Verein Aarhus.
Trainer Felip Ortiz, der in Barcelonas La Masia ausgebildet wurde, sagte, die Mannschaft werde weiterhin versuchen, Gegnern das Leben schwer zu machen, deren Budgets doppelt so groß seien. Für Inter d’Escaldes stellt die Kampagne sowohl eine sportliche Herausforderung als auch einen Meilenstein für den andorranischen Fußball dar.
Quellen: La Vanguardia.