Donald Trump und seine republikanischen Verbündeten haben sich im Streit um den Neuzuschnitt der Kongresswahlkreise einen Vorteil gesichert und damit im Vergleich zu den Demokraten in neun weiteren Wahlkreisen günstigere Bedingungen für republikanische Kandidaten geschaffen. Die Zugewinne könnten jedoch nicht ausreichen, um bei den Wahlen am Dienstag die Mehrheit der Partei im Repräsentantenhaus zu erhalten, heißt es in der von dem Quellbericht zitierten Analyse.

Alle Sitze im Repräsentantenhaus stehen zur Wahl. Die Grenzen der Wahlkreise werden in der Regel alle zehn Jahre nach der nationalen Volkszählung überprüft, damit jeder Abgeordnete ungefähr gleich viele Menschen vertritt. Änderungen außerhalb dieses Zyklus sind jedoch häufiger geworden und haben sich unter Trump verstärkt. Die Praxis, Wahlkreisgrenzen so zu ziehen, dass die Wahlaussichten einer Partei verbessert werden, wird als Gerrymandering bezeichnet.

Die jüngste Runde begann 2025, als die Republikaner in Texas vorschlugen, die Wahlkreise neu zuzuschneiden, sodass demokratische Wähler auf neue Wahlkreise mit republikanischer Mehrheit verteilt würden. Anschließend brachten die Demokraten in Kalifornien eigene Änderungen der Wahlkreiskarten auf den Weg, um den möglichen Zugewinnen in Texas entgegenzuwirken. Auch andere Bundesstaaten strebten Änderungen an; die Vorschläge stießen auf politische und rechtliche Anfechtungen.

Eine folgenreiche Entscheidung des Obersten Gerichtshofs im April blockierte einen Neuzuschnitt der Wahlkreise in Louisiana und schränkte den Geltungsbereich des Voting Rights Act ein. Das Urteil erlaubt es den Bundesstaaten in der Praxis, die ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung bei der Festlegung von Wahlkreisen als zulässigen Faktor heranzuziehen. Der Bericht bezeichnet die Entscheidung als Sieg für Trump und merkt an, dass schwarze Wähler tendenziell die Demokraten bevorzugen und auf Wahlkreise mit weißer Mehrheit verteilt werden könnten.

Die Republikaner schufen in Texas, Louisiana, Tennessee, Alabama, Florida, North Carolina und Ohio 15 Wahlkreise, in denen ihre Kandidaten voraussichtlich leicht gewinnen werden. Die Demokraten änderten die Wahlkreiskarten in Kalifornien und Utah, um sechs weitere für sie günstigere Wahlkreise zu schaffen. In sechs Bundesstaaten wurden Bemühungen um einen Neuzuschnitt politisch oder vor Gericht blockiert: Missouri, Indiana, New York, Maryland, Virginia und South Carolina.

Trotz der Zugewinne der Republikaner ergab eine im Bericht zitierte Analyse der New York Times, dass in 204 Wahlkreisen mit hoher Wahrscheinlichkeit Demokraten gewinnen werden, verglichen mit 181 Wahlkreisen, in denen wahrscheinlich Republikaner siegen. Für eine einfache Mehrheit sind 218 Sitze erforderlich. Weitere 16 Wahlkreise tendieren zu den Demokraten und 17 zu den Republikanern; 17 gelten als unvorhersehbar.

Diese umkämpften Wahlkreise könnten für die Republikaner ein besonderes Risiko darstellen: Trump gewann 2024 in 16 von ihnen, darunter in 10 mit einem Vorsprung von zweistelligen Prozentpunkten; sieben werden derzeit von Republikanern vertreten. Dem Bericht zufolge könnten diese Wahlkämpfe daher auf dem Papier zwar leichter für die Partei ausfallen, aber dennoch durch eine demokratische Welle gefährdet sein.

Zu den angeführten Faktoren zählen Trumps niedrige Zustimmungswerte und veränderte Wählerpräferenzen, insbesondere bei den Latino-Wählern. Nachdem Latino-Wähler Trump 2024 häufiger unterstützt hatten als bei früheren Wahlen, stehen sie ihm angesichts der steigenden Lebenshaltungskosten und seines aggressiven Vorgehens gegen Einwanderer inzwischen weniger positiv gegenüber.

Eine Umfrage von NBC News und Telemundo ergab, dass 59 % der Latino-Wähler einen von den Demokraten kontrollierten Kongress bevorzugten, gegenüber 35 %, die eine Kontrolle durch die Republikaner befürworteten. Der Bericht stellt dem die Nachwahlbefragungen von 2024 gegenüber, denen zufolge 46 % der Latino-Wähler Trump und 51 % Kamala Harris unterstützten. Latino-Wähler sind in Texas und Florida, zwei für die Bemühungen der Republikaner um einen Neuzuschnitt zentralen Bundesstaaten, besonders bedeutend.

Dieselbe Umfrage ergab, dass nur 27 % der Latino-Wähler mit Trumps Amtsführung zufrieden waren. Umfragen von Reuters/Ipsos deuten unterdessen darauf hin, dass die allgemeine Ablehnung der Regierung des Präsidenten mit etwas über 30 % einen Rekordstand erreicht hat. Eine in diesem Monat durchgeführte Gallup-Umfrage ergab außerdem, dass nur 43 % der Wähler glauben, der Abgeordnete ihres Wahlkreises verdiene die Wiederwahl – der niedrigste Anteil seit 1994. Das stellt die Republikaner, die derzeit den Kongress kontrollieren, vor eine weitere Herausforderung.

Quellen: Folha Mundo.