Vier Freiwillige haben einen einjährigen Aufenthalt in einer Mars-Simulationsunterkunft der NASA in Houston, Texas, abgeschlossen und verließen die Anlage unter Applaus und Jubel, wie Livebilder der US-Raumfahrtbehörde zeigten. Die drei Männer und eine Frau beendeten die zweite Mission des NASA-Programms CHAPEA, das untersuchen soll, wie Besatzungen mit Isolation und den Anforderungen einer künftigen Marsmission umgehen.
Ross Elder, Matthew Montgomery, James Spicer und Ellen Ellis verbrachten das vergangene Jahr in der fensterlosen Unterkunft Mars Dune Alpha, die mit einem 3D-Drucker gebaut wurde und 160 Quadratmeter umfasst. Während der Mission durften sie die Anlage nicht verlassen. Zu ihren Aufgaben gehörten das Anbauen von Pflanzen, die Instandhaltung des Wohnbereichs und der Maschinen sowie Bewegung.
Die Unterkunft wurde nach der Vorstellung des Lebens auf dem Mars gestaltet. Sie umfasst Schlafzellen von etwa zwei mal drei Metern, einen Wohnraum mit einem Fernseher und Sesseln, Schreibtische mit Computern und eine medizinische Station. In einem kleinen Außenbereich simulierte die Besatzung Einsätze auf der Marsoberfläche.
Die Freiwilligen waren teilweise für ihre eigene medizinische Versorgung verantwortlich und mussten regelmäßig Blutproben nehmen, sagte Ellis kurz vor dem Ende der Mission in einem Podcast der NASA. Elder sagte nach der Mission auf einer Pressekonferenz, die Besatzung fühle sich geehrt und sei stolz darauf, zu dem Vorhaben beizutragen, das letztlich die ersten Menschen zum Mars bringen soll. Spicer scherzte, er freue sich darauf, nach mehr als einem Jahr wieder nach draußen zu gehen und die Sonne zu erleben, oder je nach Wetter vielleicht einen starken Regenschauer. Ellis sagte, sie freue sich am meisten darauf, ihren Ehemann zu umarmen.
Spicer sagte, er sei von der Menge an Berichten und Protokollen überrascht gewesen, die die Besatzung erledigen musste, und scherzte, Tippen werde für künftige Marsastronauten eine Schlüsselqualifikation sein. Die Kommunikation mit Familie und Freunden war nur in „Marszeit“ möglich, was bedeutete, dass selbst das Senden einer kurzen SMS etwa 22 Minuten dauerte. Spicer sagte, er habe während der Mission rund 4.000 E-Mails von Familienmitgliedern und Freunden erhalten, und bezeichnete sie als Rettungsleine.
Die Teilnehmer waren keine ausgebildeten NASA-Astronauten. Bewerber mussten zwischen 30 und 55 Jahre alt, gesund und motiviert, Nichtraucher sowie im Besitz der US-Staatsbürgerschaft oder einer unbefristeten Aufenthaltsgenehmigung, eines Hochschulabschlusses in einem wissenschaftlichen Bereich und mindestens 1.000 Flugstunden sein.
Eine andere Gruppe von vier Freiwilligen verbrachte zwischen 2023 und 2024 etwa ein Jahr in Isolation an dem Standort. Die nächste CHAPEA-Mission ist für 2027 geplant. Die NASA erklärt, das Programm, dessen Name für Crew Health and Performance Exploration Analog steht, solle ihr helfen, Menschen zurück zum Mond und später zum Mars zu schicken.
CHAPEA ist nicht das erste Experiment dieser Art. Die NASA sammelte bereits Erfahrungen und Daten durch ihre Hi-Seas-Missionen an einem Simulationsstandort in Hawaii. Europäische, russische und chinesische Raumfahrtbehörden unternahmen vor fast 15 Jahren mit dem Projekt Mars 500 etwas Ähnliches. Im August beendeten die Europäische Weltraumorganisation und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt die Solis100-Studie in Köln, bei der drei Männer und drei Frauen im Alter von 26 bis 32 Jahren 100 Tage in Isolation verbrachten.
Quellen: Tagesschau.